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Bericht 30 --- Pamir Highway

  • jonasklein30
  • 5. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

15.09.24

Wir haben es geschafft! Wir haben den Pamir Highway hinter uns gelassen. Natürlich gab es doch noch technische und gesundheitliche Probleme, aber wir haben es mit 3 Tagen Puffer vor dem Ablauf des Visums gemeistert. Das Rad fahren hat wieder richtig spaß gemacht und der Ausblick hat die Anstrengung ziemlich überdeckt. Aber jetzt mal im Detail, denn ganz so einfach war es nicht:

Die ersten Tage war es ziemlich windig, bewölkt und kalt, dadurch wirkte das Szenario ziemlich bedrohlich. Das Luft holen ist ab 4000 Metern schon merklich schwerer und an den ersten Tagen tat der Kopf auch etwas weh. Die Höhe sollte auch die nächsten Tage unser größter Gegner bleiben. Nicht nur die dünne Luft, sondern auch der eisige Wind und die langen Nächte. Wir hatten ohnehin großen Respekt vor der Höhe und konnten uns nicht vorstellen wie wir das schwere Fahrrad mit Gepäck den Berg hoch bekommen sollen. Wenn man sich nur 10 Sekunden etwas mehr anstrengen muss, ist man völlig außer Atem. Der Tag des Ak Baytal Passes mit 4655 wird uns wohl am besten in Erinnerung bleiben:

Am Morgen hatten wir unsere Zweifel ob wir die letzten 700 Höhenmeter schaffen. Wir haben auf knapp 4000 Metern übernachtet und nur 2 Meter neben uns, ist mitten in der Nacht, ein Bach zum Leben erwacht. Dieser war am Morgen gefroren und hat das Bergpanorama bei strahlend blauem Himmel, perfekt gemacht. Der Wecker klingelte um halb 6. Wir haben erst 45 Minuten später das Zelt verlassen, weil man es ohne die Sonne kaum aushält. Unsere letzten Haferflocken waren leider wieder voll mit kleinen Insekten, also gab es den Reis vom Vortag mit Babybrei und Banane. Wir haben ganze 3,5 Stunden bis zur Abfahrt gebraucht, weil wir so träge waren. Bei jedem zu schnellen aufstehen mussten wir kurz warten bis der Schwindel vorüber geht. Auch der Magen war nicht ganz auf der Höhe, aber dazu später mehr. Es gab keine Alternative zur Passstraße, außer recht weit zurück ins letzte Bergdorf zu fahren. Daher haben wir beschlossen, wir probieren es einfach aus. Sobald wir im Sattel saßen, war es so, als wäre nichts gewesen. Wenn man ein Ziel hat, kann der Körper wohl über einziges hinwegsehen. Wahrscheinlich hat auch das traumhafte Wetter und das Panorama mit dieser frischen Bergluft geholfen. Bis zur Mittagspause auf 4400 Metern vor dem letzten Steilstück kamen wir nicht aus dem schwärmen raus. Die Landschaft ist erstaunlich. Flachland und Steppe und dann dieses extreme Bergpanorama, das teilweise jetzt noch mit Schnee bedeckt ist. Es ist so still und man sieht kaum jemanden auf der Straße.

Die Bergdörfer sind ganz anders als der Rest von Tadschikistan. Es fühlt sich an, als würde man noch weiter in der Zeit zurück reisen. Es scheint dort alles so gemütlich und simpel zu funktionieren. Obwohl es eine sehr berühmte Straße ist, wirkt es überhaupt nicht touristisch. Es ist so authentisch und interessant zu sehen wie einfach die Menschen hier leben. Und das auf 4000 Metern.

Doch zurück zum letzten Steilstück:

Die steile Rampe auf Schotter lässt Lunge und Oberschenkel schon ordentlich brennen.

Tritt man langsam und konstant, kommt man tatsächlich die Berge rauf.

Etwa 100 Meter vor dem Gipfel realisiert man, dass man es tatsächlich schaffen wird. Die harte Arbeit hat sich gelohnt und der Druck wird von Euphorie abgelöst. Zumindest die letzten Meter fühlen sich dadurch sehr leicht an. Und dann stehen wir tatsächlich oben. Wir können es sogar für eine halbe Stunde genießen, weil es angenehm warm und nicht stürmisch war. Es war das Highlight der letzten Monate und wir sind sehr dankbar das wir diese Erfahrung machen durften. Das werden wir nie wieder vergessen! Das größte Abenteuer der Tour. Sich selbst für mehrere Tage mit Essen, Trinken und Strom im Zelt zu versorgen während man das Gebiet und die Bedingungen nur schwer einschätzen kann. Es macht ein wenig süchtig. Ich habe im Spaß gesagt: jetzt will ich auch auf 5000 Meter und 6000 Meter mit dem Rad. Aber etwas Wahrheit war schon dabei. Mal schauen was die tibetische Hochebene noch für uns bereit hält.

Auf das Thema mit dem Magen hätten wir natürlich verzichten können. Wir vermuten das wir uns einen Parasiten eingefangen haben, weil einfach keine Ruhe rein kommt. Es ist schwer zu sagen, weil es in letzter Zeit viele Einflussfaktoren gab:

-Hitze

-Extreme Schotterwege

-Die Höhe

-Hohe Verunreinigung bei Wasser und Lebensmitteln

-Extreme körperliche Belastung

Aber dennoch sind viele Zweifel weg und wir fühlen uns viel ausgeglichener. Diese Ruhe in den Bergen, tolle Zeltplätze, der Spaß beim Rad fahren, starke Emotionen auf den Gipfeln und bei den Abfahrten haben einiges zurecht gerückt. Wir wissen wieder deutlicher, warum wir das ganze machen und finden einfacher Motivation für die schwierigen Situationen, die in China und auf der tibetischen Hochebene sicher nicht weniger werden. Achja, wir sind ja schon in China :) Wir haben es spontan umgeplant, damit wir nicht im tiefsten Winter in den Bergen stehen. Dafür haben wir Kasachstan ausgelassen und haben auch nur einen kleinen Teil von Kirgisistan gesehen. Aber wir glauben, dass es die richtige Entscheidung war.


Wir sind nun ein halbes Jahr unterwegs und es wird Zeit für ein kurzen Zwischenstand:

10.000 Kilometer

110.000 Höhenmeter

16 Länder

27 Platte Reifen

11.000 Euro an Ausgaben

2000 Euro Spenden gesammelt

Es ist gerade mal Halbzeit. Da wird noch einiges auf uns zukommen. Auch von der Strecke haben wir etwa die Hälfte zurückgelegt. Es sollten etwa 20.000 Kilometer bis Bali sein. Unsere Tour könnt ihr hier verfolgen:



 
 
 

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